Hemligheter: Oper über Swedenborg

Die Oper »Hemligheter« von Jonas Forssell basierend auf dem Libretto von Magnus Florin hatte am 12. Februar 2011 Premiere im Opernhaus Malmö. Sie stand dort bis zum 25. März 2011 auf dem Spielplan.
Das Libretto in Schwedisch und in Englisch



Hintergrundinformationen

Swedenborg taucht in gegenwärtige niederländische Musikszene ein. Martijn Padding (geb. 1956), ein niederländischer Komponist, schreibt eine Oper über Swedenborg

»Kann ich eines Tages vielleicht eine Oper schreiben?« ist die Frage, die jedem Komponisten im Kopf herumgeht, der auch nur einen leichten Hang zum Theater hat. Oftmals verwirft er die Idee überhaupt oder er malt sich aus, dass er schon die gesamte Produktion in Händen hält.

Wir wissen ja, man kann mächtig alt werden und auf einen Opernauftrag warten. Man stelle sich Martijn Paddings Überraschung vor, als vor ein paar Monaten das Telefon klingelte. »Es war Tadeusz Wielecki vom Warschauer Herbst Festival,« erinnert sich Padding, »und fragte, ob ich gerne eine Oper schreiben würde.« Wenn rosarote Zuckerwatte aus seinem Telefonhörer herausgedrungen wäre, er hätte nicht mehr überrascht sein können. Grund für den Auftrag war Paddings Musik selbst. Ein Mitglied des künstlerischen Festival-Ausschusses hatte das Schönberg-Ensemble mit der Aufführung von Paddings »Ein Haus mit einem Dach« gehört und war von dem Stück so hingerissen, dass er alles unternahm, den Komponisten ausfindig zu machen.

Eben zu jener Zeit kursierten in Warschau Pläne für eine Trilogie, die auf Aufsätzen über Swedenborg, Blake und Oscar Milosz basierten, entnommen einer Sammlung des polnischen Nobelpreisträgers Czeslaw Milosz. Drei Komponisten wurden für das Projekt ausgewählt. Padding und sein Librettist Friso Haverkamp sprachen sich für Swedenborg (1688-1772) und für William Blake (1757-1827) als ihr Opernsujet aus.

»Das Festival lud uns übers Wochenende nach Polen ein. Es war ein seltsames Erlebnis. Wir wurden im Opernhaus von Lodsz herumgeführt. An einer bestimmten Stelle ließen sie mich alleine herumtappen, und als ich einfach eine Tür öffnete, betrat ich einen Probensaal mit 150 Ballerinas, die gerade übten. Da überkamen mich glückliche Erinnerungen, dass ich einmal Ballett-Pianist (Korrepetitor) gewesen war. Deshalb fragte ich, ob ich Tänzerinnen in der Oper verwenden dürfe. ›Sicher, kein Problem,‹ war die Antwort. Gerade recht! Voller Euphorie kehrten wir in die Niederlande zurück.«

Friso Haverkamp hat sich seither gründlich in die Werke Swedenborgs und Blakes eingelesen. »Swedenborg war ein Philosoph und Bergbauingenieur in Diensten des schwedischen Königs,« erklärt Haverkamp. »Er stand im Zentrum des gesamten Spektrums der Naturwissenschaften seiner Zeit. Ungefähr mit 56 Jahren befand sich Swedenborg in einer persönlichen Krise. Er beschreibt seine Visionen aus diesem Lebensabschnitt in demselben makellosen Latein, das er früher zur Erläuterung seiner naturwissenschaftlichen Themen benutzt hatte. Swedenborg entwirft ein verwirrendes Bild des Himmels, inklusive einer detaillierten Klassifikation der Engel. Dieses Werk, beträufelt mit christlicher Inspiration, ist voller überschwenglicher Frömmigkeit. Blake übernahm viele der Gedanken Swedenborgs, aber im Gegensatz zu Blake ist Swedenborgs Beschreibung der Engel staubtrocken. Sein altväterliches Bild von Tugend verbleicht in eine freudlos korrekte, buchalterische Auflistung neben der selbstsicheren Imagination des jungen Blake. In der Tat, unverdauliches Gefasel sind Swedenborgs Texte.« Aber diese Tatsache wird Haverkamp nicht davon abhalten, sie zu meistern. Falls er seinen Weg gefunden hat, wird ein Seiltänzer für drei Viertelstunden über dem Publikum schweben.

Die Swedenborg-Oper mit dem Titel »Tattooed Tongues« (Tätowierte Zungen), Schnipsel aus dem Jenseits, ist versuchsweise für Oktober 2001 geplant. Das Werk erfordert zwei Vokalsolisten, einen elektronischen Chor und 33 Ballerinas. Auf ein gut Teil unter der Zahl der Schwäne (der 150 Tänzerinnen) hatten Padding und Haverkamp gehofft, aber das ist besser als nichts. Die Choreographie stammt von Amir Hosseinpour, der auch bei der Oper »Hiero« von Guus Janssen [Komponist 1951- ] und Friso Haverkamp beteiligt war.

Quelle: Donemus trackings. Vol.2, nr.1. – May 2000